VORTRÄGE - Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER
Was bewegte die Kirche dazu, den Pfarrern eine "Buchführung über die Seelsorge" (Matrikenführung) vorzuschreiben? Wir machen uns heute keine Vorstellung mehr davon, welche Bedeutung das Kirchenrecht in einer Gesellschaft besaß, die sich mit der "Christenheit" identifizierte. "Vollbürger" in einer solchen Gesellschaft war, wer ehelich geboren war - für einen "Kegel" waren die Möglichkeiten oft deutlich eingeschränkt. Das Eherecht hatte dementsprechend eine weit höhere Bedeutung als heute, vor allem seine Regelungen über Ehehindernisse und die - heute deutlich weniger bedeutsamen - Dispensmöglichkeiten. Im Rahmen der katholischen Reform fasste das Konzil von Trient die katholische Lehre neu zusammen und brachte auch Neuerungen, so etwa bei der Eheschließung. Die Konzilsbeschlüsse wurden in ganz Europa umgesetzt, aber nicht sofort.
Die Mandatarie Graz der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler" verfügt über einen nennenswerten Bestand an sogenannten Kartonfotos und "Carte de Visite" des 19. und 20. Jahrhunderts. Darunter befinden sich zahlreiche Werke bekannter Fotografen ihrer Zeit, wie der beiden Hoffotografen, des Grazers Leopold BUDE (1840-1907) und seines Wiener Kollegen Carl PIETZNER (1853-1927). Jeder der etwas auf sich hielt, ließ sich damals fotografieren. Da es nicht billig war, sind vor allem Vertreter des Adels und des gehobenen Bürgertums unter den "Abgelichteten" vertreten, aber auch Mitglieder der ländlichen Bevölkerung, die sich den letzten Bissen vom Munde abgespart hatten, um einmal in ihrem Leben vor einem "Herrn Photographen" sitzen zu dürfen!
Das Barock, heute als eine europäische Stilepoche, die zwischen dem 30-jährigen Krieg, der Türkengefahr und den Habsburgischen Erbfolgekriegen angesiedelt wird. Eine Zeit zwischen Gegenreformation, dem Streben das Reich Gottes auf Erden zu erschaffen und der Vernunft der Aufklärung. Die "Österreichische Barockarchitektur" erlangte Europäische Bedeutung, der im Barock ausgelöste Bauboom zieht sich durch alle Orte und Stände. Wie wirkte sich diese Epoche auf Hof, Adel, Kirche, Stadt und Bürgertum aus?
Obwohl der deutsche und insbesondere der preußische Adel im Verlauf des 19. Jahrhunderts aufgrund umwälzender wirtschaftlicher Veränderungen gesamtgesellschaftlich an ökonomischer Bedeutung verloren hatte, verfügte er nach wie vor über ein herausragendes symbolisches und auch politisches Kapital. Dieses hatte durch die Einigungskriege sogar noch an Bedeutung gewonnen. So erschien es vor allem für viele bürgerliche Aufsteiger höchst attraktiv, durch eine Nobilitierung in diesen Stand aufgenommen zu werden. Im Gegensatz zu dem vor allem in Württemberg und Bayern verliehenen Personaladel war der Adel in Preußen erblich.
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Georg Gaugusch beendet nach 25 Jahren umfassender Archivrecherche sein genealogisches Standardwerk zu den »Jüdischen Familien Wiens« mit 4 umfangreichen Bänden. Der Vortrag »Jüdische Eliten in Wien« beleuchtet die Auswirkungen des Toleranzpatents Joseph II., der zum Aufstieg des jüdischen Bürgertums zwischen 1800 und 1918 in der Habsburgermonarchie führte, schneidet die Vernetzung der Familien untereinander an und gibt Einblicke in die Protagonisten der Gründerzeit und ihren Ringstraßenbauten. Der Bogen schließt sich mit einem lebhaften Porträt des jüdischen Großbürgertums, dessen Anteil am wirtschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Leben außergewöhnlich hoch war und zur Identität des Vielvölkerstaates wesentlich beitrug.
Der kaiserliche Hof in Wien stellte bis zum Ende der Monarchie ein politisches und kulturelles Zentrum der Habsburgermonarchie dar, wo Politik, Verwaltung und familiäre Netzwerke des Adels zusammentrafen und miteinander interagierten. Mit dem Vortrag soll ein zuletzt in der Forschung bedeutsamer Aspekt in den Blick genommen werden: Die Mechanismen dynastischer und höfischer Politik eröffneten Frauen viele Handlungsmöglichkeiten. Diese reichten von der Vernetzung der Familien des höfischen Adels über Eheschließungen bis zu repräsentativen Aufgaben und konnten auch politische Einflussnahmen beinhalten. Einige dieser Handlungsfelder werden im Vortrag an konkreten Beispielen dargestellt.
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