Heraldik in St. Pölten
Die Wappen der Bischöfe von St. Pölten.
Die Stadt St. Pölten besitzt selbst eine lange und vielschichtige kirchliche Tradition. Über Jahrhunderte stand sie unter der Herrschaft der Bischöfe von Passau. Im Jahr 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den Bürgern ein Privileg, das vielfach als ältestes überliefertes Stadtrecht Österreichs bezeichnet wird.
Auch das 1538 von König Ferdinand I. verliehene Stadtwappen bewahrt die Erinnerung an diese Vergangenheit: Der Wolf verweist auf das Wappen des Hochstifts Passau. Zugleich zeigt der umgekehrte österreichische Bindenschild an, dass St. Pölten inzwischen eine landesfürstliche Stadt geworden war. Das Wappen verbindet somit zwei Herrschaftsepochen in einem einzigen heraldischen Bild. Die Wappen der St. Pöltner Bischöfe – neben dem Diözesanbischof wirkte und wirkt zeitweise ein Weihbischof – speisen sich aus mehreren heraldischen Traditionslinien. Eine davon führt zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift zum heiligen Hippolyt. Nach dessen Aufhebung im Jahr 1784 wurden die Stiftskirche und Teile des Klosterkomplexes zum geistlichen und administrativen Mittelpunkt der neuen Diözese St. Pölten. Elemente der älteren Bild- und Wappentradition lebten dabei in veränderter Form fort.
Ein weiterer Traditionsstrang weist in das südliche Niederösterreich. Johann Heinrich von Kerens, der letzte Bischof des 1785 aufgehobenen Bistums Wiener Neustadt, wurde zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese St. Pölten bestellt. Damit gingen nicht nur eine Person und bestimmte kirchliche Strukturen, sondern auch heraldische Bezüge von Wiener Neustadt auf St. Pölten über. Die kirchliche Heraldik St. Pöltens ist daher mehr als eine bloße Reihe persönlicher Bischofswappen. In ihr begegnen einander die Überlieferungen Passaus, des Hippolytstifts und des ehemaligen Bistums Wiener Neustadt. Hinzu kommen die persönlichen Wappenbilder und Wahlsprüche der jeweiligen Bischöfe. Es lohnt sich also, diese verschiedenen Schichten etwas genauer zu betrachten.
Donnerstag, 5. November 2026, 17 Uhr
Niederösterreichische Landesbibliothek St. Pölten
3109 St. Pölten, Kulturbezirk 3
Um Anmeldung wird gebeten:
Vortragender

Mag. Hermann Hayn ist einer der Vizepräsidenten der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler" in Wien. Der Geschichte der Kirche und ihres Rechts wie auch der kirchlichen Heraldik gilt sein besonderes Interesse.