- Beiträge: 65
Legitimisten, „Ring Alt Tirol“ und Kaisergemeinden in Tirol
- ADLERWien
- Autor
- Offline
Weniger
Mehr
21 Stunden 12 Minuten her - 21 Stunden 12 Minuten her #79
von ADLERWien
Legitimisten, „Ring Alt Tirol“ und Kaisergemeinden in Tirol wurde erstellt von ADLERWien
Legitimisten, „Ring Alt Tirol“ und Kaisergemeinden in Tirol
In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich in Tirol ein besonders ausgeprägter Legitimismus. Gemeint ist damit jene monarchisch gesinnte Bewegung, die das Haus Habsburg-Lothringen weiterhin als rechtmäßige Dynastie betrachtete und die republikanische Ordnung nach 1918 nicht als endgültige Lösung ansah. In Tirol fand diese Haltung einen besonderen Resonanzboden: katholisch-konservative Tradition, Schützenwesen, Erinnerung an 1809, Kaisertreue und der Schmerz über den Verlust Südtirols verbanden sich zu einem starken Bewusstsein von „Alt-Tirol“.
Ein sichtbarer Ausdruck dieser Bewegung waren die sogenannten Ehrenbürgergemeinden oder Kaisergemeinden. Zahlreiche Gemeinden ernannten Otto von Habsburg, den Sohn Kaiser Karls I., zum Ehrenbürger. Diese Ernennungen waren weit mehr als symbolische Höflichkeiten: Sie verstanden sich als Protest gegen die Habsburgergesetze, gegen die Enteignung des Kaiserhauses und als Bekenntnis zur historischen Kontinuität Österreichs.
Im September 1932 gründeten Tiroler Legitimisten die Interessensgemeinschaft der Ehrenbürgergemeinden unter dem Namen „Ring Alt Tirol“. Die Organisation sollte nicht nur monarchische Anliegen vertreten, sondern angesichts der Weltwirtschaftskrise auch wirtschaftliche Interessen der beteiligten Gemeinden fördern. Mitglied werden konnte, wer bereit war, gegen das dem Kaiserhaus zugefügte Unrecht aufzutreten, Ehrenbürgerernennungen Ottos zu unterstützen und gegen die Enteignungsgesetze zu protestieren. An der Spitze stand Dr. Manfred Schullern, Amtsrevident der Post- und Telegrafendirektion.
Der „Ring Alt Tirol“ trat auch öffentlich gegen nationalsozialistische Vereinnahmungen Tiroler Tradition auf. Besonders deutlich wurde dies beim Protest gegen eine nationalsozialistische Ehrung des Freiheitskämpfers Josef Speckbacher. Aus Sicht der Legitimisten hatten die Nationalsozialisten wegen ihrer Haltung zu Habsburg, Südtirol und Österreich kein Recht, Tiroler Freiheitshelden für sich zu beanspruchen.
Damit zeigt sich: Der Tiroler Legitimismus war zwar zahlenmäßig begrenzt, aber politisch klar profiliert. Er verband Kaisertreue, katholisch-tirolische Identität und österreichischen Patriotismus. Gerade in der Abgrenzung zum Nationalsozialismus wurden die Legitimisten zu frühen Vorkämpfern einer eigenständigen österreichischen Idee.
SCHOBER Richard: Tirol zwischen den Weltkriegen. Teil 2: Politik, Parteien und Gesellschaft. Universitätsverlag Wagner. Innsbruck
www.uvw.at/produkt/9470/tirol-zwischen-d...en-und-gesellschaft/
In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich in Tirol ein besonders ausgeprägter Legitimismus. Gemeint ist damit jene monarchisch gesinnte Bewegung, die das Haus Habsburg-Lothringen weiterhin als rechtmäßige Dynastie betrachtete und die republikanische Ordnung nach 1918 nicht als endgültige Lösung ansah. In Tirol fand diese Haltung einen besonderen Resonanzboden: katholisch-konservative Tradition, Schützenwesen, Erinnerung an 1809, Kaisertreue und der Schmerz über den Verlust Südtirols verbanden sich zu einem starken Bewusstsein von „Alt-Tirol“.
Ein sichtbarer Ausdruck dieser Bewegung waren die sogenannten Ehrenbürgergemeinden oder Kaisergemeinden. Zahlreiche Gemeinden ernannten Otto von Habsburg, den Sohn Kaiser Karls I., zum Ehrenbürger. Diese Ernennungen waren weit mehr als symbolische Höflichkeiten: Sie verstanden sich als Protest gegen die Habsburgergesetze, gegen die Enteignung des Kaiserhauses und als Bekenntnis zur historischen Kontinuität Österreichs.
Im September 1932 gründeten Tiroler Legitimisten die Interessensgemeinschaft der Ehrenbürgergemeinden unter dem Namen „Ring Alt Tirol“. Die Organisation sollte nicht nur monarchische Anliegen vertreten, sondern angesichts der Weltwirtschaftskrise auch wirtschaftliche Interessen der beteiligten Gemeinden fördern. Mitglied werden konnte, wer bereit war, gegen das dem Kaiserhaus zugefügte Unrecht aufzutreten, Ehrenbürgerernennungen Ottos zu unterstützen und gegen die Enteignungsgesetze zu protestieren. An der Spitze stand Dr. Manfred Schullern, Amtsrevident der Post- und Telegrafendirektion.
Der „Ring Alt Tirol“ trat auch öffentlich gegen nationalsozialistische Vereinnahmungen Tiroler Tradition auf. Besonders deutlich wurde dies beim Protest gegen eine nationalsozialistische Ehrung des Freiheitskämpfers Josef Speckbacher. Aus Sicht der Legitimisten hatten die Nationalsozialisten wegen ihrer Haltung zu Habsburg, Südtirol und Österreich kein Recht, Tiroler Freiheitshelden für sich zu beanspruchen.
Damit zeigt sich: Der Tiroler Legitimismus war zwar zahlenmäßig begrenzt, aber politisch klar profiliert. Er verband Kaisertreue, katholisch-tirolische Identität und österreichischen Patriotismus. Gerade in der Abgrenzung zum Nationalsozialismus wurden die Legitimisten zu frühen Vorkämpfern einer eigenständigen österreichischen Idee.
SCHOBER Richard: Tirol zwischen den Weltkriegen. Teil 2: Politik, Parteien und Gesellschaft. Universitätsverlag Wagner. Innsbruck
www.uvw.at/produkt/9470/tirol-zwischen-d...en-und-gesellschaft/
Bitte Anmelden um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.055 Sekunden