1095 Wien - Universitätsstraße 6 Postfach 7 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Mittwoch 17:00 bis 19:00 Uhr

FORUM - Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER

Im Dialog bleiben!

Das ADLER-FORUM, funktioniert nach dem Motto: Mitglieder helfen Mitgliedern! Viele Mitglieder der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER sind erfahrene Genealogen oder forschen an heraldischen Fragestellungen.

Sie haben Fragen zu adelsrechtlichen Themen?
Sie möchten in Erfahrung bringen ob und wann eine bestimmte Familie in den niederen oder höheren Adelsstand erhoben wurde?
Sie haben Fragen zu Münzen, Medaillen, Orden oder Wappen?

Stellen Sie Ihre Frage möglichst exakt, unter Angabe Ihrer bisherigen Erkenntnisse und verwendeten Literatur im FORUM. Um die Schreiberechte im Forum zu aktivieren, melden Sie sich für den internen Mitgliederbereich an: Anmelden / Login im Mitgliederbereich.

Sie sind noch nicht registriert? Bitte registrieren Sie sich für den Mitgliederbereich.

Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde

Mehr
1 Monat 19 Stunden her - 1 Monat 17 Stunden her #86 von ADLERWien
 

Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde (ABÖF) ist seit 1927 als eigenständige genealogische Vereinigung nachweisbar. Im selben Jahr erschien der erste Jahrgang der von ihm herausgegebenen Blätter für österreichische Familienkunde. Eine zeitgenössische bibliographische Anzeige nennt den Arbeitsbund ausdrücklich als Herausgeber und führt Rudolf Bartich, Graz, Rechbauerstraße 11, als Anschrift an.

Zwischen dem ABÖF und der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER bestanden zwar fachliche und personelle Berührungspunkte, organisatorisch handelte es sich jedoch um getrennte Vereinigungen. In einer späteren Darstellung zur Geschichte des ADLER wird lediglich festgehalten, dass in der Steiermark bereits vor dem Zweiten Weltkrieg der Arbeitsbund bestanden habe, der „ähnliche Ziele“ wie der ADLER verfolgte.

Wie eng die personellen Verbindungen teilweise waren, zeigt das Beispiel des Genealogen Gustav Schuster (1879–1946). Er gehörte seit 1927 dem ADLER als Bibliothekar und Vorstandsmitglied an und war zugleich Mitglied des Arbeitsbundes. Solche Doppelmitgliedschaften ermöglichten fachlichen Austausch, ohne die jeweilige organisatorische Eigenständigkeit aufzuheben.

Der ABÖF setzte zugleich eigene inhaltliche Schwerpunkte. Neben klassischer genealogischer Forschung spielte die damals sogenannte „biologische Familienforschung“ eine bedeutende Rolle. Bereits ab 1927 wurden „biologische Stammblätter“ propagiert. Nach der Auflösung der Grazer Gesellschaft für Rassenhygiene ging diese 1929 als „biologische Gruppe“ im Arbeitsbund auf. Der Historiker Thomas Mayer ordnet den ABÖF in diesem Zusammenhang als völkisch orientiert ein. Damit verband sich innerhalb des Vereins genealogische Arbeit teilweise mit Vererbungslehre und zeitgenössischen eugenischen Vorstellungen.

Und nach 1945?

Hier kommt die tatsächliche Annäherung an den ADLER. Dieser nahm seine Vereinstätigkeit 1946 wieder auf und organisierte 1952/53 unter der Bezeichnung „Mandat Graz“ regelmäßige Treffen seiner steirischen Mitglieder und Freunde. Entscheidend ist: Arbeitsbund und Grazer ADLER-Gruppe bestanden zunächst ausdrücklich nebeneinander.

Das lässt sich sogar in den ADLER-Publikationen selbst verfolgen. Noch für 1959 und 1960 werden Hauptversammlungen des Arbeitsbundes in Graz gemeldet; ebenso enthält der Jahrgang 1964 einen eigenen „Bericht Hauptversammlung Arbeitsbund für österreichische Familienkunde Graz“. Der Arbeitsbund war also noch weit in die Nachkriegszeit hinein als eigene Organisation erkennbar.

Erst 1969 kam es zur „Überleitung des Arbeitsbundes in die Mandatarie“ des ADLER. Bibliothek und familiengeschichtliche Unterlagen des Arbeitsbundes gelangten in diesem Zusammenhang in das Steiermärkische Landesarchiv.

Die beiden hier gezeigten Originalstücke

 

Die beigefügte Postkarte ist eine vorgedruckte Melde- bzw. Mitgliedskarte an den

„Arbeitsbund für österreichische Familienkunde
(Landesstelle Graz)
Graz II, Rechbauerstraße 6/III“
.

Auf der linken Hälfte waren Datum des Beitritts, Name, Beruf, genaue Anschrift sowie die Person einzutragen, durch die das neue Mitglied eingeführt oder empfohlen worden war. Bemerkenswert ist auch die Anschrift: Während eine Quelle von 1927 noch Rudolf Bartich in der Rechbauerstraße 11 nennt, führt die vorliegende Karte die Landesstelle bereits in der Rechbauerstraße 6/III.

Noch interessanter ist die „Personalkarte“ Nr. 40 mit Siegel. Sie gehört einem Freiherrn Krafft-Ebing und enthält nicht nur die üblichen Angaben zu Beruf, Anschrift, Religion, Geburt und Eheschließung, sondern auch Fragen nach der Herkunft und Schreibweise des Familiennamens, bereits vorhandenen genealogischen Aufzeichnungen sowie genealogischem Material über andere Familien. Als Grazer Anschrift ist Goethestraße 10 eingetragen; als Heiratsort ist Überlingen am Bodensee mit dem Datum 31. X. 1910 zu erkennen.

 

Die Karte dürfte sehr wahrscheinlich Johann Nepomuk Richard Freiherrn von Krafft-Ebing, genannt „Hans“, betreffen, den Sohn des bekannten Psychiaters Richard von Krafft-Ebing. Volkmar Sigusch nennt diesen Sohn ausdrücklich „Johann Nepomuk Richard, gerufen Hans“. Ein zeitgenössisches bibliographisches Verzeichnis führt zudem einen „H. Freih. v. Krafft-Ebing, Graz“ als Hauptschriftleiter der Blätter für österreichische Familienkunde.

Auch die Eheschließung passt: genealogische Angaben nennen für Johann Nepomuk Richard von Krafft-Ebing die Heirat mit Elisabeth von Buol-Berenberg am 31. Oktober 1910.

Ein reizvolles Detail am Rande: Goethestraße 10 war bereits 1880 eine Grazer Zustelladresse seines Vaters Richard von Krafft-Ebing. Die Adresse erscheint ausdrücklich in dessen Korrespondenz mit dem Grazer Anatomen Alexander Rollett.

Bei einzelnen biographischen Daten der Personalkarte – insbesondere beim handschriftlich eingetragenen Geburtsdatum – bestehen allerdings Abweichungen zu späteren genealogischen Sekundärquellen. Diese Angaben sollten daher erst nach Abgleich mit einer Geburts- bzw. Taufmatrik endgültig übernommen werden.

Schlussbemerkungen

Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde war seit 1927 ein eigenständiger, vor allem in Graz verankerter genealogischer Verein mit personellen und fachlichen Überschneidungen zum ADLER. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden Arbeitsbund und Grazer ADLER-Mandatarie noch jahrelang parallel. Erst 1969 wurde der Arbeitsbund in die Grazer Mandatarie des ADLER übergeleitet.

Die beiden erhaltenen Karten sind dabei ausgesprochen interessante Sachzeugnisse: Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Struktur des Arbeitsbundes, sondern mit Krafft-Ebing auch einen unmittelbar greifbaren Vertreter der Grazer familienkundlichen Szene der Zwischenkriegszeit.

Quellenhinweise:
Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER, Geschichte/Mandatarie Graz.
Thomas Mayer: Eugenik in Graz oder Grazer Eugenik?, in: VIRUS, Bd. 7, 2008.
Zeitschrift der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER, Inhaltsverzeichnisse 1959–1964.
Österreichisches Biographisches Lexikon, Art. Gustav Schuster.
Volkmar Sigusch: Richard von Krafft-Ebing: Bericht über den Nachlass und Genogramm, 2003.

Bitte Anmelden um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.050 Sekunden

Informationen

Kontakt

Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER
Universitätsstraße 6 Postfach 7
1095 Wien / Österreich
+43 1 409 25 78
Office (@) GesellschaftADLER.org

Bankverbindung

Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER
IBAN: AT84 6000 0000 0782 3338
BIC: BAWAATWW
Mitgliedsbeitrag Euro 70 pro Jahr