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Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde
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2 Wochen 2 Tage her - 2 Wochen 2 Tage her #86
von ADLERWien
Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde (ABÖF) ist seit 1927 als eigenständige genealogische Vereinigung nachweisbar. Im selben Jahr erschien der erste Jahrgang der von ihm herausgegebenen Blätter für österreichische Familienkunde. Eine zeitgenössische bibliographische Anzeige nennt den Arbeitsbund ausdrücklich als Herausgeber und führt Rudolf Bartich, Graz, Rechbauerstraße 11, als Anschrift an.
Zwischen dem ABÖF und der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER bestanden zwar fachliche und personelle Berührungspunkte, organisatorisch handelte es sich jedoch um getrennte Vereinigungen. In einer späteren Darstellung zur Geschichte des ADLER wird lediglich festgehalten, dass in der Steiermark bereits vor dem Zweiten Weltkrieg der Arbeitsbund bestanden habe, der „ähnliche Ziele“ wie der ADLER verfolgte.
Wie eng die personellen Verbindungen teilweise waren, zeigt das Beispiel des Genealogen Gustav Schuster (1879–1946). Er gehörte seit 1927 dem ADLER als Bibliothekar und Vorstandsmitglied an und war zugleich Mitglied des Arbeitsbundes. Solche Doppelmitgliedschaften ermöglichten fachlichen Austausch, ohne die jeweilige organisatorische Eigenständigkeit aufzuheben.
Der ABÖF setzte zugleich eigene inhaltliche Schwerpunkte. Neben klassischer genealogischer Forschung spielte die damals sogenannte „biologische Familienforschung“ eine bedeutende Rolle. Bereits ab 1927 wurden „biologische Stammblätter“ propagiert. Nach der Auflösung der Grazer Gesellschaft für Rassenhygiene ging diese 1929 als „biologische Gruppe“ im Arbeitsbund auf. Der Historiker Thomas Mayer ordnet den ABÖF in diesem Zusammenhang als völkisch orientiert ein. Damit verband sich innerhalb des Vereins genealogische Arbeit teilweise mit Vererbungslehre und zeitgenössischen eugenischen Vorstellungen.
Und nach 1945?
Hier kommt die tatsächliche Annäherung an den ADLER. Dieser nahm seine Vereinstätigkeit 1946 wieder auf und organisierte 1952/53 unter der Bezeichnung „Mandat Graz“ regelmäßige Treffen seiner steirischen Mitglieder und Freunde. Entscheidend ist: Arbeitsbund und Grazer ADLER-Gruppe bestanden zunächst ausdrücklich nebeneinander.
Das lässt sich sogar in den ADLER-Publikationen selbst verfolgen. Noch für 1959 und 1960 werden Hauptversammlungen des Arbeitsbundes in Graz gemeldet; ebenso enthält der Jahrgang 1964 einen eigenen „Bericht Hauptversammlung Arbeitsbund für österreichische Familienkunde Graz“. Der Arbeitsbund war also noch weit in die Nachkriegszeit hinein als eigene Organisation erkennbar.
Erst 1969 kam es zur „Überleitung des Arbeitsbundes in die Mandatarie“ des ADLER. Bibliothek und familiengeschichtliche Unterlagen des Arbeitsbundes gelangten in diesem Zusammenhang in das Steiermärkische Landesarchiv.
Die beiden hier gezeigten Originalstücke
Die beigefügte Postkarte ist eine vorgedruckte Melde- bzw. Mitgliedskarte an den
„Arbeitsbund für österreichische Familienkunde
(Landesstelle Graz)
Graz II, Rechbauerstraße 6/III“.
Auf der linken Hälfte waren Datum des Beitritts, Name, Beruf, genaue Anschrift sowie die Person einzutragen, durch die das neue Mitglied eingeführt oder empfohlen worden war. Bemerkenswert ist auch die Anschrift: Während eine Quelle von 1927 noch Rudolf Bartich in der Rechbauerstraße 11 nennt, führt die vorliegende Karte die Landesstelle bereits in der Rechbauerstraße 6/III.
Noch interessanter ist die „Personalkarte“ Nr. 40 mit Siegel. Sie gehört einem Freiherrn Krafft-Ebing und enthält nicht nur die üblichen Angaben zu Beruf, Anschrift, Religion, Geburt und Eheschließung, sondern auch Fragen nach der Herkunft und Schreibweise des Familiennamens, bereits vorhandenen genealogischen Aufzeichnungen sowie genealogischem Material über andere Familien. Als Grazer Anschrift ist Goethestraße 10 eingetragen; als Heiratsort ist Überlingen am Bodensee mit dem Datum 31. X. 1910 zu erkennen.
Die Karte dürfte sehr wahrscheinlich Johann Nepomuk Richard Freiherrn von Krafft-Ebing, genannt „Hans“, betreffen, den Sohn des bekannten Psychiaters Richard von Krafft-Ebing. Volkmar Sigusch nennt diesen Sohn ausdrücklich „Johann Nepomuk Richard, gerufen Hans“. Ein zeitgenössisches bibliographisches Verzeichnis führt zudem einen „H. Freih. v. Krafft-Ebing, Graz“ als Hauptschriftleiter der Blätter für österreichische Familienkunde.
Auch die Eheschließung passt: genealogische Angaben nennen für Johann Nepomuk Richard von Krafft-Ebing die Heirat mit Elisabeth von Buol-Berenberg am 31. Oktober 1910.
Ein reizvolles Detail am Rande: Goethestraße 10 war bereits 1880 eine Grazer Zustelladresse seines Vaters Richard von Krafft-Ebing. Die Adresse erscheint ausdrücklich in dessen Korrespondenz mit dem Grazer Anatomen Alexander Rollett.
Bei einzelnen biographischen Daten der Personalkarte – insbesondere beim handschriftlich eingetragenen Geburtsdatum – bestehen allerdings Abweichungen zu späteren genealogischen Sekundärquellen. Diese Angaben sollten daher erst nach Abgleich mit einer Geburts- bzw. Taufmatrik endgültig übernommen werden.
Schlussbemerkungen
Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde war seit 1927 ein eigenständiger, vor allem in Graz verankerter genealogischer Verein mit personellen und fachlichen Überschneidungen zum ADLER. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden Arbeitsbund und Grazer ADLER-Mandatarie noch jahrelang parallel. Erst 1969 wurde der Arbeitsbund in die Grazer Mandatarie des ADLER übergeleitet.
Die beiden erhaltenen Karten sind dabei ausgesprochen interessante Sachzeugnisse: Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Struktur des Arbeitsbundes, sondern mit Krafft-Ebing auch einen unmittelbar greifbaren Vertreter der Grazer familienkundlichen Szene der Zwischenkriegszeit.
Quellenhinweise:
Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER, Geschichte/Mandatarie Graz.
Thomas Mayer: Eugenik in Graz oder Grazer Eugenik?, in: VIRUS, Bd. 7, 2008.
Zeitschrift der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER, Inhaltsverzeichnisse 1959–1964.
Österreichisches Biographisches Lexikon, Art. Gustav Schuster.
Volkmar Sigusch: Richard von Krafft-Ebing: Bericht über den Nachlass und Genogramm, 2003.
Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde wurde erstellt von ADLERWien
Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde (ABÖF) ist seit 1927 als eigenständige genealogische Vereinigung nachweisbar. Im selben Jahr erschien der erste Jahrgang der von ihm herausgegebenen Blätter für österreichische Familienkunde. Eine zeitgenössische bibliographische Anzeige nennt den Arbeitsbund ausdrücklich als Herausgeber und führt Rudolf Bartich, Graz, Rechbauerstraße 11, als Anschrift an.
Zwischen dem ABÖF und der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER bestanden zwar fachliche und personelle Berührungspunkte, organisatorisch handelte es sich jedoch um getrennte Vereinigungen. In einer späteren Darstellung zur Geschichte des ADLER wird lediglich festgehalten, dass in der Steiermark bereits vor dem Zweiten Weltkrieg der Arbeitsbund bestanden habe, der „ähnliche Ziele“ wie der ADLER verfolgte.
Wie eng die personellen Verbindungen teilweise waren, zeigt das Beispiel des Genealogen Gustav Schuster (1879–1946). Er gehörte seit 1927 dem ADLER als Bibliothekar und Vorstandsmitglied an und war zugleich Mitglied des Arbeitsbundes. Solche Doppelmitgliedschaften ermöglichten fachlichen Austausch, ohne die jeweilige organisatorische Eigenständigkeit aufzuheben.
Der ABÖF setzte zugleich eigene inhaltliche Schwerpunkte. Neben klassischer genealogischer Forschung spielte die damals sogenannte „biologische Familienforschung“ eine bedeutende Rolle. Bereits ab 1927 wurden „biologische Stammblätter“ propagiert. Nach der Auflösung der Grazer Gesellschaft für Rassenhygiene ging diese 1929 als „biologische Gruppe“ im Arbeitsbund auf. Der Historiker Thomas Mayer ordnet den ABÖF in diesem Zusammenhang als völkisch orientiert ein. Damit verband sich innerhalb des Vereins genealogische Arbeit teilweise mit Vererbungslehre und zeitgenössischen eugenischen Vorstellungen.
Und nach 1945?
Hier kommt die tatsächliche Annäherung an den ADLER. Dieser nahm seine Vereinstätigkeit 1946 wieder auf und organisierte 1952/53 unter der Bezeichnung „Mandat Graz“ regelmäßige Treffen seiner steirischen Mitglieder und Freunde. Entscheidend ist: Arbeitsbund und Grazer ADLER-Gruppe bestanden zunächst ausdrücklich nebeneinander.
Das lässt sich sogar in den ADLER-Publikationen selbst verfolgen. Noch für 1959 und 1960 werden Hauptversammlungen des Arbeitsbundes in Graz gemeldet; ebenso enthält der Jahrgang 1964 einen eigenen „Bericht Hauptversammlung Arbeitsbund für österreichische Familienkunde Graz“. Der Arbeitsbund war also noch weit in die Nachkriegszeit hinein als eigene Organisation erkennbar.
Erst 1969 kam es zur „Überleitung des Arbeitsbundes in die Mandatarie“ des ADLER. Bibliothek und familiengeschichtliche Unterlagen des Arbeitsbundes gelangten in diesem Zusammenhang in das Steiermärkische Landesarchiv.
Die beiden hier gezeigten Originalstücke
Die beigefügte Postkarte ist eine vorgedruckte Melde- bzw. Mitgliedskarte an den
„Arbeitsbund für österreichische Familienkunde
(Landesstelle Graz)
Graz II, Rechbauerstraße 6/III“.
Auf der linken Hälfte waren Datum des Beitritts, Name, Beruf, genaue Anschrift sowie die Person einzutragen, durch die das neue Mitglied eingeführt oder empfohlen worden war. Bemerkenswert ist auch die Anschrift: Während eine Quelle von 1927 noch Rudolf Bartich in der Rechbauerstraße 11 nennt, führt die vorliegende Karte die Landesstelle bereits in der Rechbauerstraße 6/III.
Noch interessanter ist die „Personalkarte“ Nr. 40 mit Siegel. Sie gehört einem Freiherrn Krafft-Ebing und enthält nicht nur die üblichen Angaben zu Beruf, Anschrift, Religion, Geburt und Eheschließung, sondern auch Fragen nach der Herkunft und Schreibweise des Familiennamens, bereits vorhandenen genealogischen Aufzeichnungen sowie genealogischem Material über andere Familien. Als Grazer Anschrift ist Goethestraße 10 eingetragen; als Heiratsort ist Überlingen am Bodensee mit dem Datum 31. X. 1910 zu erkennen.
Die Karte dürfte sehr wahrscheinlich Johann Nepomuk Richard Freiherrn von Krafft-Ebing, genannt „Hans“, betreffen, den Sohn des bekannten Psychiaters Richard von Krafft-Ebing. Volkmar Sigusch nennt diesen Sohn ausdrücklich „Johann Nepomuk Richard, gerufen Hans“. Ein zeitgenössisches bibliographisches Verzeichnis führt zudem einen „H. Freih. v. Krafft-Ebing, Graz“ als Hauptschriftleiter der Blätter für österreichische Familienkunde.
Auch die Eheschließung passt: genealogische Angaben nennen für Johann Nepomuk Richard von Krafft-Ebing die Heirat mit Elisabeth von Buol-Berenberg am 31. Oktober 1910.
Ein reizvolles Detail am Rande: Goethestraße 10 war bereits 1880 eine Grazer Zustelladresse seines Vaters Richard von Krafft-Ebing. Die Adresse erscheint ausdrücklich in dessen Korrespondenz mit dem Grazer Anatomen Alexander Rollett.
Bei einzelnen biographischen Daten der Personalkarte – insbesondere beim handschriftlich eingetragenen Geburtsdatum – bestehen allerdings Abweichungen zu späteren genealogischen Sekundärquellen. Diese Angaben sollten daher erst nach Abgleich mit einer Geburts- bzw. Taufmatrik endgültig übernommen werden.
Schlussbemerkungen
Der Arbeitsbund für österreichische Familienkunde war seit 1927 ein eigenständiger, vor allem in Graz verankerter genealogischer Verein mit personellen und fachlichen Überschneidungen zum ADLER. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden Arbeitsbund und Grazer ADLER-Mandatarie noch jahrelang parallel. Erst 1969 wurde der Arbeitsbund in die Grazer Mandatarie des ADLER übergeleitet.
Die beiden erhaltenen Karten sind dabei ausgesprochen interessante Sachzeugnisse: Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Struktur des Arbeitsbundes, sondern mit Krafft-Ebing auch einen unmittelbar greifbaren Vertreter der Grazer familienkundlichen Szene der Zwischenkriegszeit.
Quellenhinweise:
Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER, Geschichte/Mandatarie Graz.
Thomas Mayer: Eugenik in Graz oder Grazer Eugenik?, in: VIRUS, Bd. 7, 2008.
Zeitschrift der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER, Inhaltsverzeichnisse 1959–1964.
Österreichisches Biographisches Lexikon, Art. Gustav Schuster.
Volkmar Sigusch: Richard von Krafft-Ebing: Bericht über den Nachlass und Genogramm, 2003.
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